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Das Sonnwendfeuer

Vor einigen Tagen wurden vielerorts Sonnwendfeuer entzündet und man saß in gemütlicher Runde beieinander. Doch wie entstand dieser Brauch?

Aus Niederösterreich ist überliefert, dass junge Männer in den Dörfern früher um den Gedenktag des Hl. Veit herum (15. Juni) von Tür zu Tür gingen und Holz sammelten mit dem Spruch: "Der heilige Sankt Veitl tat bitten um a Scheitl. Wer uns koa Biadl und koa Scheitl gibt, hat des ganze Jahr koa Glück" (nach: Kapfhammer). So wuchs der Holzstapel zum Sonnwendfeuer. In anderen Gemeinden brachte jeder Einwohner Holz zum Feuer mit.

Solche besonderen Zeitpunkte wie die Sonnenwende waren und sind Menschen zu jeder Zeit elementar erfahrbar. Bereits bei antiken Kulturen lassen sich Belege für die Verknüpfung dieses Termins mit religiösen Veranstaltungen finden.

Es wird eine gewisse Kontinuität bei der Festlegung von christlichen Festen im Jahreslauf deutlich. Durch die Formung des Jahres im Sinne des Christentums ist die Empfindung für naturbezogene Abläufe und Wendepunkte nicht automatisch außer Kraft gesetzt worden.

Auf den Termin der Sommersonnenwende hat die Kirche schon in der Antike die Feier des hl. Johannes des Täufers gelegt. Dieser hatte Anteil an der christlichen Licht- und Sonnensymbolik, da er nach der herrschenden Lehre als der entscheidende Vorläufer Christi galt. Die Legende, die Knochen des Johannes seien verbrannt worden, und ein Bibelstelle, die ihn als "Licht der Heiden" benannte, legten als christlich-religiöse Handlung nahe, an diesem Tag mit dem Entzünden eines Feuers ein Zeichen zu setzen.

Die Nacht zum Johannestag galt auch als "Losnacht". Man glaubte, in diesen Nächten sei es möglich das Wetter für die kommenden Wochen vorauszusagen. Eine bäuerliche Wetterregel besagte: Ist das Wetter am Johannistag gut, so ist für das weitere Jahr eine gute Ernte sowie gutes Wetter zu erwarten. Entsprechendes galt für schlechtes Wetter am Johannistag.
Der Johannisnacht und dem Johannistag wurden teilweise eine besonders positive Wirkkraft nachgesagt. Das Sonnwendfeuer soll allein beim bloßen hineinschauen schon eine gewisse Segens- und Heilwirkung entfachen und Glück bringen. Auch der Rauch soll die Menschen und Tiere vor Krankheiten beschützen und sie sogar heilen. Zudem gilt und galt die Asche als besonders wertvoll. Streut man sie aufs Feld, wird die Ernte umso ertragreicher. Streut man sie in das eigene Haus, wird dieses vor allem Bösen beschützt. In Niederösterreich meinte man, "so weit der Schein des Feuers reicht, wird es nicht hageln".

Bekannt ist auch der Brauch des Kranzflechten am Johannestag. Die Kränze wurden aus sieben oder neun verschiedenen Pflanzen geflochten. Dazu gehören z.B. Bärlauch, Beifuß, Eichenlaub, Farnkraut, Johanniskraut, Klatschmohn, Kornblumen, Lilien, Rittersporn und Rosen. Dann wurden sie über Türen und Fenster gehängt, um das Haus vor bösen Geistern und Dämonen zu schützen. Legte man eine kleine Ausführung eines solchen Kranzes unter das Kopfkissen der Person die man liebt, sollte das Glück für die Zukunft bringen.

Mit dem Glauben, durch eine Handlung in dieser Nacht Einfluss auf Künftiges nehmen zu können, hat möglicherweise auch der so genannte Feuersprung (Kittelbrennen) zu tun. Andererseits ist das Springen übers Feuer aber einfach eine körperliche Herausforderung, die dazu anregt in Wettbewerb mit anderen zu treten. Solche Sprünge locken auch als Mut- und Geschicklichkeitsproben. Aus Niederösterreich ist bekannt, dass früher junge Paare Hand in Hand über das Feuer sprangen und sich so eine glückliche gemeinsame Zukunft erhofften. Ein Vers dazu ist: "Sunnawend, Sunnawend, dass mi net s`Feier brennt, dass i bald z'heiraten kumm, drum tanz und spring i drum."

 

Gerade im Mittelalter wurde das Fest zur Sonnenwende in vielen Schriften und Zeugnissen erwähnt. Für die Bevölkerung besaß das Fest besonders in dieser Zeit eine besondere Bedeutung. Nicht zuletzt kann man die hohe Akzeptanz und Bedeutung des Festes im Volk an der Tatsache festmachen, dass sich immer wieder Adelige, Herzöge und Ritter an diesem Festtag unters Volk mischten und mit um das Feuer tanzten, tranken und das Fest genossen. Vom Ende des Mittelalters wurden mitten in den Städten, oft direkt auf den Marktplätzen große Feuer abgebrannt. Es dauerte nicht lange bis die ersten Verbote auftauchten aufgrund der Gefahr, die von den Feuern ausging. In München ist das erste Verbot aus dem Jahr 1471 bekannt. Doch wie aus späteren Einträgen ersichtlich ist, hatten die Initiatoren wenig Glück mit dem Verbot. Im Augsburger Stadtarchiv z.B. tauchte das erste Verbot 1538 auf. Im Laufe der Jahre wurde das Fest vielerorts immer wieder untersagt. Doch die Beliebtheit verhalf dem Fest zu einer großen Beständigkeit. Später lehnte die geistliche oder aufklärerisch gebildete Obrigkeit das ausgelassene Fest als Ganzes ab und unterstellte dabei auch, es handle sich um heidnisches Treiben, das mit dem christlich frommen Leben nicht zu vereinbaren sei.

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